Kurz gesagt
Jeder EU-Staat muss bis 24. Dezember 2026 mindestens eine EUDI-Wallet bereitstellen (berechnet). Stand 12. Oktober 2026 ist nach unserer Recherche keine Wallet zertifiziert. Sieben Länder betreiben eine Ausweis-App, die amtlich zur EUDI-Wallet werden soll (CY, DK, EL, FR, IT, PL, SK), eines testet öffentlich (IE), vier haben den Ausbau einer bestehenden App bestätigt, vierzehn haben eine Wallet angekündigt, bei einem ist der Weg unklar.
Jeder EU-Mitgliedstaat muss bis 24. Dezember 2026 mindestens eine EUDI-Wallet bereitstellen (Art. 5a Abs. 1 eIDAS: 24 Monate nach Inkrafttreten der Durchführungsrechtsakte; Datum berechnet). Stand 12. Oktober 2026 hat nach unserer Recherche noch kein Mitgliedstaat eine zertifizierte EUDI-Wallet: Eine veröffentlichte Liste zertifizierter Wallets der Kommission haben wir nicht gefunden, eine amtliche Meldung über eine Zertifizierung auch nicht ungeprüft.
Die Länder gehen zwei Wege. Viele bauen eine bestehende Ausweis- oder Behörden-App aus, etwa Italien (IT-Wallet in der App IO), Frankreich (France Identité) oder Polen (mObywatel). Andere entwickeln eine neue App, etwa Irland mit der Government Digital Wallet oder Deutschland mit d-you, die laut Bundesdigitalministerium am 2. Januar 2027 starten soll (angekündigt).
Die Tabelle aller 27 Mitgliedstaaten steht am Ende dieser Seite, Filter und Verlauf im EUDI-Index.
Wo die Mitgliedstaaten stehen
Stand 12. Oktober 2026 zeigt der Index:
| Stand | Anzahl | Länder |
|---|---|---|
| Zertifiziert | 0 | – |
| Vorstufe live | 7 | Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Slowakei, Zypern |
| Pilot | 1 | Irland |
| Ausbau bestätigt | 4 | Belgien, Kroatien, Portugal, Österreich |
| Angekündigt | 14 | Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen ungeprüft, Luxemburg, Malta, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowenien, Spanien, Tschechien |
| Unklar | 1 | Ungarn ungeprüft |
Für 25 der 27 Länder belegt mindestens eine amtliche Quelle den Eintrag. Für Litauen und Ungarn stützen wir uns bisher teils auf Sekundärquellen; diese Einträge sind als ungeprüft markiert. Ein Beispiel: Ungarns Gesetz über den digitalen Staat sieht eine nationale EUDI-Wallet vor, deren Anbieter die Regierung per Verordnung bestimmt – welche App das wird, ist amtlich noch offen (Stand 12. Oktober 2026).
Einige amtlich belegte Beispiele:
- Italien: Die Dokumente in der App IO stehen seit 4. Dezember 2024 allen offen; das Ministerium nennt das IT-Wallet-System den italienischen Weg zur EUDI-Wallet (Dipartimento per la trasformazione digitale).
- Dänemark: AltID gibt es seit 3. Juni 2026 mit digitalem Ausweis und Altersnachweis; die Digitalbehörde baut sie stufenweise als dänische Wallet nach der EU-Pflicht aus (Digitaliseringsstyrelsen).
- Irland: Für die Government Digital Wallet läuft seit April 2026 eine öffentliche Testphase mit Anmeldung (irische Regierung).
- Deutschland: d-you ist für den 2. Januar 2027 angekündigt. Amtlich gibt es bisher eine Sandbox für Unternehmen und einen Verwaltungspilot, aber noch keinen Test mit Bürgern; eine „Closed Beta“ ist laut offizieller FAQ geplant. Deshalb stufen wir d-you als angekündigt ein.
Wie wir einstufen
Die Stufen folgen festen Regeln (festgelegt am 12. Oktober 2026):
- Zertifiziert: Die Wallet ist als EUDI-Wallet zertifiziert und in der Liste der Kommission.
- Vorstufe live: Eine bestehende App mit digitalen Ausweisdokumenten ist in Betrieb, und eine amtliche Quelle sagt ausdrücklich, dass sie zur EUDI-Wallet wird.
- Pilot: Die nationale Wallet wird mit echten Bürgern getestet, oder es gibt eine öffentliche Testversion. Die Teilnahme an EU-Großpiloten (etwa POTENTIAL, EWC, WE BUILD oder APTITUDE) und Sandboxes für Unternehmen zählen nicht.
- Ausbau bestätigt: Eine amtliche Quelle bestätigt, dass eine bestehende App zur EUDI-Wallet wird; die App bietet aber noch keine Ausweisdokumente.
- Angekündigt: Das Land hat eine Wallet angekündigt, aber nichts davon trifft schon zu.
- Unklar: Es gibt keine amtliche Bestätigung, ob und mit welcher App das Land startet.
Als geprüft gilt ein Eintrag erst, wenn mindestens eine amtliche Quelle ihn stützt. Jede Statusänderung steht mit Datum, Notiz und Quelle im Verlauf; alte Einträge bleiben stehen. Änderungen am Index übernehmen wir, wenn unsere Prüfregeln erfüllt sind: amtliche Quelle erreichbar und mit der Aussage, Einstufungsregeln angewendet, Verlaufseintrag mit Datum. Widersprechen sich amtliche Quellen, bleibt der bisherige Stand stehen.
Was das für Unternehmen bedeutet
- Eine Anbindung, viele Wallets: Alle Wallets sollen dieselben technischen Standards nutzen. Wer als vertrauende Partei registriert ist, soll Nutzer mit Wallets aus allen Mitgliedstaaten bedienen können.
- Registrierung im eigenen Land: Registriert wird im Mitgliedstaat der Niederlassung (Art. 5b Abs. 1 eIDAS), nicht in jedem Land, dessen Bürger man bedient. Details: Wie registriert sich ein Unternehmen?
- Verspätungen einplanen: Startet ein Land später, nutzen dessen Bürger die Wallet auch später. Die Akzeptanzpflicht für private vertrauende Parteien in regulierten Bereichen gilt trotzdem spätestens ab 24. Dezember 2027 (Art. 5f Abs. 2 eIDAS, berechnet), mit einer Ausnahme für Kleinst- und Kleinunternehmen.
Warum die Wege so unterschiedlich sind
Länder mit einer verbreiteten staatlichen App haben einen Vorsprung: Polen, Italien oder Frankreich können eine App erweitern, die schon Millionen Nutzer hat, statt Nutzer neu zu gewinnen. Länder wie Deutschland oder die Niederlande setzen auf neue Apps, die erst Vertrauen und Reichweite aufbauen müssen. Für Unternehmen zählt am Ende weniger der App-Name als die Frage, ob alle Wallets dieselben Schnittstellen und Nachweisformate unterstützen.
Wie es weitergeht
Ab 24. Dezember 2026 muss jeder Mitgliedstaat sein Register der vertrauenden Parteien über eine öffentliche Schnittstelle bereitstellen (Durchführungsverordnung (EU) 2025/848, Art. 3 und 11). Eudigo wertet diese Register täglich aus und ergänzt den EUDI-Index dann um Daten dazu, wer die Wallet in welchem Land wofür nutzt.
Neu im Thema? Lesen Sie Was ist die EUDI-Wallet?. Den zeitlichen Rahmen zeigt der Fristen-Überblick.
Häufige Fragen
Gibt es schon zertifizierte EUDI-Wallets?
Nach unserer Recherche nicht (Stand 12. Oktober 2026): Eine veröffentlichte Liste zertifizierter Wallets der Kommission haben wir nicht gefunden, und kein Land meldet amtlich eine Zertifizierung (ungeprüft). Mehrere Länder betreiben nationale Ausweis-Apps, die zur EUDI-Wallet ausgebaut werden.
Kann ich die Wallet eines anderen Landes nutzen?
Für die Identifizierung zählt die Wallet des eigenen Herkunftsstaats, denn nur sie enthält die Identitätsdaten. Die deutsche Wallet können EU-Bürger laut offizieller FAQ zwar für andere Nachweise nutzen, aber nicht als Ausweis.
Brauchen Unternehmen für jedes Land eine eigene Anbindung?
Nein. Alle Wallets sollen dieselben technischen Standards nutzen. Eine vertrauende Partei registriert sich einmal, im Mitgliedstaat ihrer Niederlassung, und soll Nutzer mit Wallets aus allen Mitgliedstaaten bedienen können.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1183 (eIDAS 2.0), Art. 5a, 5b, 5f – EUR-Lex (Text geprüft über das Amt für Veröffentlichungen), abgerufen 12.10.2026
- Durchführungsverordnung (EU) 2024/2979 (Datum der Veröffentlichung und des Inkrafttretens) – EUR-Lex, abgerufen 12.10.2026
- Durchführungsverordnung (EU) 2025/848 (Register vertrauender Parteien), Art. 3 und 11 – EUR-Lex, abgerufen 12.10.2026
- IT-Wallet: three digital documents available for all Italian citizens and residents – Dipartimento per la trasformazione digitale (Italien), abgerufen 12.10.2026
- Nu kan du downloade AltID – Digitaliseringsstyrelsen (Dänemark), abgerufen 12.10.2026
- eIDAS2 and the digital identity wallet – Digitaliseringsstyrelsen (Dänemark), abgerufen 12.10.2026
- Minister Chambers launches public consultation and testing phase for Ireland's new Government Digital Wallet – Department of Public Expenditure, Infrastructure, Public Service Reform and Digitalisation (Irland), abgerufen 12.10.2026
- d-you: Deutschland startet digitale Identität für alle (Pressemitteilung 53/2026 vom 09.09.2026) – Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), abgerufen 12.10.2026
- Häufige Fragen zur staatlichen EUDI-Wallet – Projekt Staatliche EUDI-Wallet (BMDS/SPRIND), abgerufen 12.10.2026
- FAQ on the national EUDI Wallet (englische Fassung, mit Angaben zum Verwaltungspilot Dresden/Sachsen) – Projekt Staatliche EUDI-Wallet (BMDS/SPRIND), abgerufen 12.10.2026
- EU Digital Identity Wallet Status Update — September 2026 – eID Easy, abgerufen 12.10.2026
- EUDI Wallet Status Tracker – iGrant.io, abgerufen 12.10.2026
Eudigo erklärt Pflichten und Fristen nach bestem Wissen, ist aber keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die verlinkten Rechtsquellen. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.